
ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2011
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2. Lehrreiche Vorkommnisse in
ausländischen Anlagen
Das ENSI ist in ein internationales Netzwerk zur Er-
fassung und Verbreitung von Betriebserfahrung
eingebunden. Über diesen Verbund erhält das ENSI
Information aus Kernanlagen rund um den Glo-
bus und stellt im Gegenzug Betriebserfahrung aus
Schweizer Kernanlagen zur Verfügung. Vorkomm-
nisse sind ein wichtiger Bestandteil dieser Be-
triebserfahrung. Zwei wesentliche Knotenpunkte
dieses Netzwerks sind Dienste der Internationalen
Atomenergieorganisation IAEA mit Sitz in Wien in
Zusammenarbeit mit der Nuclear Energy Agency
NEA der OECD mit Sitz in Paris (Abbildung 1):
❚ Das Incident Reporting System IRS sammelt Be-
richte über Vorkommnisse, bereitet diese auf
und stellt sie in einer Datenbank den Mitglieds-
ländern zur Verfügung.
❚
Die internationale Ereignisskala INES wurde zur
Einstufung von nuklearen und radiologischen Er-
eignissen erstellt und dient als Kommunikations-
mittel gegenüber der Öffentlichkeit. Die Berichte
über Vorkommnisse werden in einer Datenbank
gesammelt, welche den Mitgliedsländern zur Ver-
fügung steht.
Das Netzwerk der nationalen IRS-Koordinatoren
und INES-Beauftragten ermöglicht einen raschen
Informationsaustausch nach dem Auftreten von
Ereignissen. Die Mitgliedsländer der IAEA haben
sich verpflichtet, Vorkommnisse von globalem In-
teresse oder ab der INES-Stufe 2 zeitnah an die
IAEA zu melden. Die IAEA ihrerseits verbreitet ak-
tuelle Meldungen öffentlich über ihre News-Web-
site (http://www-news.iaea.org/).
Im Kalenderjahr 2011 wurden der IAEA 23 Vor-
kommnisse der INES-Stufen 2 oder höher gemel-
det:
Abbildung 1:
Sitz der OECD/NEA in
Paris. Das Treffen der
IRS-Koordinatoren zum
Erfahrungsaustausch
über Vorkommnisse im
September 2011 fand
an diesem Ort statt
(Foto: ENSI).
INES-
Stufe
Bezeichnung Kurzbeschreibung
2 Zwischenfall Die meisten Vorkommnisse waren auf Bestrahlung von Personen mit resul-
tierenden Strahlendosen oberhalb der zulässigen nationalen Grenzwerte in
Industrie, Medizin und einem Kernkraftwerk zurückzuführen. Zudem wur-
den der Diebstahl einer Strahlenquelle und die Kontamination von Personal
gemeldet. Das Kernkraftwerk Onagawa-2 in Japan wurde vom Erdbeben am
11. März 2011 mit nachfolgendem Tsunami betroffen. Es erfolgte eine auto-
matische Reaktorabschaltung. Trotz des Ausfalls von zwei Notstrom-Diesel-
generatoren und eines Nachwärme-Abfuhrsystems konnte die Kühlung des
Reaktors gewährleistet werden. Weitere Vorkommnisse sind in den Berichts-
abschnitten 2.2 bis 2.5 näher beschrieben.
3 Ernsthafter Zwischenfall Die Vorkommnisse im Kernkraftwerk Fukushima Dai-ni wurden durch das
Erdbeben und den Tsunami am 11. März 2011 hervorgerufen. Eine aus-
führlichere Darlegung dieser Vorkommnisse erfolgt im Berichtsabschnitt 2.1.
4 Unfall ohne signifikante
Gefährdung der Umgebung
Die Bestrahlung mehrerer Arbeiter in Bulgarien war die Folge der unsachge-
mässen Handhabung einer Strahlenquelle.
7 Schwerwiegender Unfall Für die Auswirkungen des starken Erdbebens und des Tsunamis am 11. März
2011 auf das Kernkraftwerk Fukushima Dai-ichi nahe der Ostküste von Ja-
pan erfolgte nach zunächst tieferer Klassierung gesamthaft eine Höherstu-
fung auf INES 7. Eine ausführliche Darlegung dieser Vorkommnisse erfolgt
im Berichtsabschnitt 2.1.
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